Die Geschichte des Büros

Über 60 Jahre Erfahrung im Krankenhausbau

Jürgen Schweitzer, Architekt und Namensgeber der Architektengruppe Schweitzer+Partner, wurde am 15. November 1907 in Freiburg als Sohn des bekannten Berliner Architekten Heinrich Schweitzer geboren. Durch den Beruf des Vaters geprägt, absolvierte er ein Architekturstudium an der damaligen TH Berlin bei Peter Pölzig. 

Nach Kriegsende führten bestehende private Kontakte Jürgen Schweitzer nach Braunschweig, wo das Architekturbüro Bartels in 2. Generation über Planungsaufträge für den Wiederaufbau verfügte. Dies war der Beginn der Zusammenarbeit an größeren Wohnungsbauvorhaben, die bis in die späten 1950er Jahre dauern sollte. Ein Beispiel für die erfolgreiche Kooperation war der 1952 ausgelobte, internationale Wettbewerb des Wohnungsbauministeriums aus Mitteln der „Economie Cooperativ Administration“, den das Büro Bartels mit großem Erfolg für sich entscheiden konnte: Der 1. Preis für die Konzeption von 300 Wohneinheiten bedeutete den Bau der „Lincoln-Siedlung“ in Braunschweig und die Umsetzung der gemeinsamen Architekturentwürfe.

Das Büro Bartels wurde zwischenzeitlich als gemeinsames Büro mit Jürgen Schweitzer geführt. Zu den weiteren Mitarbeitern und späteren Gründungsmitgliedern der Architektengruppe Schweitzer zählten die beiden Diplomingenieure Gerd Laage und Rüdiger Weisbach sowie der Bauingenieur Gerd Marondel.
 

Während der Zusammenarbeit in dieser Architekten-Konstellation entstanden u.a. das Kurhaus in Bad Homburg und die Gewerkschaftshäuser in Braunschweig, Bochum und Wolfsburg. Ein weiterer Schwerpunkt des Büros war die Planung und Realisierung von Aktualitätenkinos in den Hauptbahnhöfen der Städte Berlin, Hannover, Köln, München und Frankfurt sowie an weiteren Orten ganz Deutschlands. Die gute Auftragslage des Büros und der große „Aktionsradius“ führten zur Gründung eines Zweigbüros in Frankfurt am Main.

 

Gründung 1957

Ihren Ursprung hat die Architektengruppe Schweitzer + Partner in der Gründung des Architekturbüros Schweitzer mit den damaligen Partnern Laage, Weisbach und Marondel. Die Gründung erfolgte im Jahre 1957 mit Standort in Braunschweig.

Die Zusammenarbeit des nunmehr jungen Architekturbüros mit dem Architekturbüro Wilhelm Wietfeld aus Hannover, das im Bereich Krankenhausplanung tätig war und u.a. für den Neubau des Krankenhauses Siloah in Hannover und des Kreiskrankenhauses Dannenberg verantwortlich zeichnete, entstand 1956 die erste Verbindung zum Spezialgebiet Krankenhausbau durch die Übernahme der Ausführungsplanung und der Bauleitungsaufgaben am Kreiskrankenhaus Otterndorf. Bereits Ende der 1950er Jahre beteiligte sich die Architektengruppe an großen Krankenhauswettbewerben, insbesondere mit dem Schwerpunktgebiet Süddeutschland, und konnte mit Aufträgen für die Krankenhausneubauten u.a. in Schwäbisch-Gmünd, Böblingen und Esslingen große Erfolge verbuchen. Dies führte im Jahr 1964 zur Gründung eines Zweitbüros in Stuttgart, betreut durch Gerd Laage, um auch weiterhin an regional ausgelobten Wettbewerben teilnehmen zu können.

 

Kreiskrankenhaus Uelzen 1964

Der erste große Krankenhausneubau der Architektengruppe im norddeutschen Raum war schließlich das Kreiskrankenhaus Uelzen, das im Jahr 1964 fertig gestellt wurde. Das Besondere des Kreiskrankenhauses mit 458 Betten war die Konzeption einer Doppelfluranlage, die in Deutschland zum ersten Mal in einem Krankenhausneubau angeordnet wurde. Bei der Umsetzung der Entwürfe wurden die Untersuchungs- und Behandlungsbereiche jeweils auf gleicher Ebene den Pflegebereichen zugeordnet, was den so genannten „Horizontaltyp“ ausmacht. Diese Bauart wurde stilprägend für den Krankenhausbau der 1960er Jahre – und ist in zahlreichen Variationen kopiert worden.
 

 

Das Büro in Braunschweig beschäftigte sich parallel zum Schwerpunkt Krankenhausbau auch mit dem Thema Schulbau und konnte in den 1960er und 1970er Jahren eine Reihe von Schulneubauten in Niedersachsen und Schleswig-Holstein errichten. Aufgrund der guten Referenzen im Krankenhausbau erhielt die Architektengruppe „Schweitzer-Laage-Weisbach-Marondel“ im Jahr 1966 Planungsaufträge für die Medizinische Hochschule Hannover, zunächst für die Kinderklinik, später für den Neubau der Zahn-, Mund- und Kieferklinik.

Der Erfolg zog Aufträge für unterschiedliche Projekte im Ausland nach sich, beispielsweise in Bagdad, Riyadh und Nigeria und machte die Gruppe auch international bekannt. Im Jahr 1966 verstarb der Gesellschafter Rüdiger Weisbach und hinterließ eine große Lücke. 1972 schied Gerd Marondel aus gesundheitlichen Gründen als Gesellschafter aus der Architektengruppe aus, so dass Gerd Laage und Jürgen Schweitzer als alleinige Gesellschafter unter der Firmierung „Architektengruppe Schweitzer+Partner“ die Geschäfte weiterführten. Das Jahr 1984 brachte eine entscheidende Veränderung in der Konstellation und Konstruktion der Architektengruppe: Man entschied sich, die beiden Büros in Stuttgart und Braunschweig getrennt voneinander weiterzuführen, um die jeweiligen
Besonderheiten der Standorte zu fördern.

 

Eine neue Zeit

Mit der Wiedervereinigung 1989 kamen, wie für viele Unternehmen, auch für Schweitzer+Partner „über Nacht“ komplett neue Tätigkeitsfelder. Es begann eine
Zeit geprägt von intensiven Reisen und Aufenthalten im Osten. Die Hauptaufgabe bestand in Beratungen und Zielplanungen für die zumeist desolaten DDR Krankenhäuser – eine spannende und umfassende Arbeit für die Architektengruppe, die weitere Planungsaufträge erhielt und zudem erfolgreich an Wettbewerben teilnahm. So folgten Neubauten der Krankenhäuser in Hettstedt (Sachsen-Anhalt) und Kamenz (Sachsen) sowie der Ersatzneubau am Eichsfeldklinikum Reifenstein (Thüringen), um nur einige zu nennen. Auch Direktbeauftragungen für Krankenhaussanierungen und Umbauten in Magdeburg,
Grimmen-Bartmannshagen, Crivitz, Aschersleben, Neindorf, Wernigerode, Halle, Dessau, Ballenstedt, Blankenburg und an weiteren Orten wurden an Schweitzer+Partner vergeben.

Der Name der Architektengruppe war ein Synonym für erfolgreiche Arbeit geworden, und sollte auch weiterhin fester Bestandteil der Firmierung bleiben. So beschlossen 1994 die damaligen Gesellschafter Jürgen Schweitzer, Kurt Wellner, Heinz Winkelhaus und Dietrich Jürgensen, die „Planungsgruppe Schweitzer+Partner GmbH“ zu gründen. Der Name Schweitzer wurde so in der Weiterführung gesichert, denn Jürgen Schweitzer hat die Entwicklung der von ihm mitbegründeten Architektengruppe noch bis ins hohe Alter begleitet. Sein Abschied aus dem Büro vollzog sich in Etappen. Er verstarb am 10. September 1996 in Braunschweig.
 

 

Joachim Welp und Volker Kölsch

Generationswechsel

Ab Ende der 80er Jahre vollzog sich ein schrittweiser Generationswechsel an der Spitze der Architektengruppe, der mit dem Ausscheiden der langjährig tätigen Gesellschafter Diether Ebbecke 1987, Heinz Winkelhaus, Dietrich Jürgensen 2000 und 2003 Kurt Wellner erfolgte. 1996 wurden Volker Kölsch und Günther Linnenberg, 2003 zudem Joachim Welp die neuen Gesellschafter. Mit dem Wechsel in der Geschäftsführung erfolgte zudem über den Zeitraum der vergangenen 15 Jahre auch ein Wechsel bei den Partnern der Architektengruppe:1989 wurde Udo Rönspeck als langjähriger Mitarbeiter zum Partner, 1999 folgte Hartmut Nickel und 2001 Christian Wedeking.


Das Jahr 2005 brachte mit der Gründung der „S+P International GmbH“ für einen unabhängigen Auftritt auf dem weltweiten Markt und der „S+P MediTec
GmbH“ für den selbstständigen Auftritt der Planungsgruppe weitere Schritte
in die Zukunft. Gesellschafter beider Unternehmen sind Volker Kölsch,
Günther Linnenberg und Joachim Welp.

 

 

Ein umfassendes Portfolio

Die Architektengruppe Schweitzer + Partner hat sich zu einem der führenden Architekturbüros mit dem Leistungsschwerpunkt „Bauten des Gesundheitswesens“ entwickelt. Die Projektliste der Architektengruppe Schweitzer + Partner umfasst heute über 200 Krankenhausbauten in der Bundesrepublik Deutschland – von Alfeld bis Worbis. Viele dieser Projekte sind in ihren Maßnahmen abgeschlossen, bei anderen Projekten arbeitet Schweitzer + Partner seit über 40 Jahren nahezu durchgängig mit Bauherren zusammen, wie beispielsweise beim Friederikenstift in Hannover, der nahezu 100 Teilbaumaßnahmen umfasst. Auch das Krankenhaus Henriettenstiftung in Hannover mit den beiden Standorten Kirchrode und Marienstraße ist zu nennen: Die Eckbebauung bzw. Krankenhauserweiterung an der Ecke Sallstraße / Marienstaße gehört zu einer der spektakulärsten Baumaßnahmen der Architektengruppe, da durch die Schließung der Ecksituation der entstandene, 700 qm große Innenhof in Höhe des 4. Obergeschosses mit einer auf vier Baumstützen liegenden, filigranen Stahl-Glas-Konstruktion überdacht werden konnte.

In den vergangenen Jahren hat sich der Aktionsradius von Schweitzer+Partner über die bereits seit vielen Jahren in der Betreuung befindlichen Krankenhäuser im Emsland, wie Meppen, Haselünne, Lingen, Leer, Cloppenburg, Papenburg und Aschendorf ausgeweitet. So kamen z.B. das St. Elisabeth Krankenhaus in Essen und das Klinikum Lippe-Detmold in Detmold hinzu, dessen Fertigstellung für 2028 geplant ist. Neben der Teilnahme an klassischen Architekturwettbewerben haben seit Mitte der 1990er Jahre die so genannten „VOF-Verfahren“, Verfahren für die Vergabe von Architekten- und Ingenieurleistungen im Rahmen einer bestimmten Auftragshöhe, an Bedeutung gewonnen. So wurden Schweitzer+Partner mit dem Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe im Osten Berlins, dem Ärztezentrum in Lahr (Schwarzwald), beim Klinikum Schönebeck in Sachsen-Anhalt sowie dem Krankenhaus Crivitz in Mecklenburg-Vorpommern betraut.

 

 

Weitere Informationen

Nachruf Jürgen Schweitzer, 1996

Braunschweiger Zeitung 1996 [PDF, 2,25 MB]

 

50 Jahre Architektengruppe Schweitzer + Partner

Braunschweiger Zeitung 11|07|2007 [PDF, 3,23 MB]

 

50 Jahre Schweitzer + Partner – eine Historie wird belegt.

Jubiläumsausgabe Schweitzer+Partner, Juli 2007 [PDF, 2,83 MB]